Erik H. Erikson und seine Psychoanalyse


Nach der psychoanalytischen Sichtweise nach Erikson durchlebt der Mensch verschiedene Phasen, die immer auch durch eine Krise ausgelöst wird. 

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Eriksons Schlüsselbegriffe, der relativen psychosozialen Gesundheit, in seinem Modell der tiefenpsychologischen Psychoanalyse sind Urvertrauen, Autonomie und Initiative sowie Werksinn und Identität, Intimität, Generativität und Integrität. Alle Schlüsselprobleme zeigen einen Zustand des gesunden Menschen. Doch haben die Schlüsselworte auch Gegenbegriffe, wenn eine Phase nämlich nicht gesundheitsfördernd verläuft. So kann im Säuglingsalter im besten Fall Urvertrauen entstehen: Aber es kann auch Misstrauen entstehen, statt Autonomie auch Scham und Zweifel. Die Initiative kann auch durch Schuldgefühle verhindert werden. Wenn kein Werksinn ausgebildet wird, dann kann ein Minderwertigkeitsgefühl entstehen. 

Im jugendlichen Alter, also in der Adoleszenz kann statt Identität eine Identitätsdiffusion entstehen. Das frühe Erwachsenenalter ist gekennzeichnet durch die Intimität, aber auch aus Isolierung. Im Erwachsenenalter sollte eine Generativität entwickelt werden, aber es kann auch zur Absorption. Im reifen Erwachsenenalter ist eine Integrität möglich, doch stattdessen kann auch ein Lebensekel entstehen. Wie und ob eine Phase gelingt oder auch nicht, soll jetzt weiter aufgezeigt werden.


Urvertrauen in der orale Phase

Das Vertrauen als Erwachsener wird auf das Urvertrauen zurückgeführt, das man durch die mütterliche Sicherheit erlangt hat. 

Sobald das neu geborene Kind von der Symbiose mit dem Mutterleib getrennt ist, trifft seine angeborene und mehr oder weniger koordinierte Fähigkeit, Nahrung durch den Mund aufzunehmen, auf die ebenfalls mehr oder weniger koordinierte Fähigkeit und Bereitschaft der Mutter, es zu nähren und anzunehmen. An diesem Punkt lebt es und liebt es mit dem Munde; und die Mutter lebt und liebt es durch die Brust. 

Für die Mutter ist dies eine relativ späte und komplizierte Errungenschaft: hochgradig abhängig von ihrer Entwicklung als Frau; von ihrer unbewußten Haltung zum Kinde; von der Art und Weise, wie sie die Schwangerschaft und Geburt erlebt hat; von der Ansicht, die sie und ihre Umwelt vom Stillen haben; und schließlich von der Reaktion des Säuglings. Annäherung an das Leben, und zwar auf dem Weg der Einverleibung. Daher wird die Zeit in der Psychoanalyse gewöhnlich die »orale« Phase genant. (Erikson, 1973, S. 63 ff)

In der psychiatrischen Literatur ist häufig vom »oralen Charakter« die Rede, als eine charakteristische Abweichung, die auf den ungelösten Konflikten dieser Phase basiert. Sobald ein oraler Pessimismus dominant wird und andere Haltungen ausschließt, können infantile Ängste wie die, »leergelassen« oder gar »verlassen zu werden«, aber auch die in seinem Reizhunger ungestillt zu bleiben, in der depressiven Form des »Leerseins« und »zu nichts gut Seins« diagnostiziert werden. Solche Ängste können wiederum der Oralität jene besondere Qualität einer Gier geben, die man in der Psychoanalyse »oralen Sadismus« nennt, d.h. das grausame Bedürfnis, das, was man haben will, auf eine Weise sich zu schaffen und zu nehmen, die anderen wehtut. 

Es gibt jedoch auch einen optimistischen oralen Charakter, der gelernt hat, Geben und nehmen zur wichtigsten Sache im Leben zu machen; und schließlich bleibt sie »Oralität« als eine normale Grundschicht, eine dauernde Niederschlag jener ersten Abhängigkeit von mächtigen Versorgern erhalten Sie drückt sich normalerweise in unseren Abhängigkeitswünschen und Sehnsüchten aus, überhaupt in allen zu hoffnungsvollen und zu hoffnungslosen Zuständen. Die Integration der oralen Phase mit allen folgenden Phasen führt beim Erwachsenen zu einer Kombination von Glauben und Realismus (ebd. S.70).


Anale Phase und seine Autonomie

Die Psychoanalyse ist der Ansicht, dass die Autonomie als menschliche Freiheit im Alter von ca. 2 Jahren bis 4 Jahren entsteht. In diesem Alter werden andere Teile als der schon erkundete Mund erschlossen. 

Der Hauptakzent liegt in dieser Phase auf der Reifung des Muskelsystems, der daraus erwachsenen Fähigkeit (und doppelt empfundenen Unfähigkeit), eine Anzahl höchst komplizierter Akte wie »Festhalten« und »Loslassen« zu koordinieren, ferner auf dem enormen Wert, den das immer noch höchst abhängige Kind auf seinem autonomen zu legen beginnt.     Die Psychoanalyse hat unseren Wortschatz um den Ausdruck »Analität« bereichert, um die besondere Lust- und Willensqualität zu bezeichnen, die den Ausscheidungsorgan in dieser Phase häufig zukommt.  Der ganze Vorgang der Entleerung von Darm und Blase ist natürlich von Anfang an von einem Gefühl des Wohlbefindens begleitet, das im Grund »gut gemacht« meint. Dieses Lob muss zunächst noch recht oft für das Unbehagen und die Spannung entschädigen, die das Kind empfindet, bevor seine Organe gelernt haben, ihr Tagewerk zu entrichten ... Es entwickelt sich die allgemeine Fähigkeit, ja das heftige Bedürfnis, mit Willen fallenzulassen und Wegzuwerfen und das Festhalten und Loslassen abwechselnd zu üben (ebd. S. 76).

Aus der Analphase mit ihrem Festhalten und Loslassen entsteht eine Autonomie. Sie zeigt sich einerseits in dem Kuschelbedürfnis mit den Eltern und anderseits mit der Freiheit der Ablehnung der Eltern. 


Ödipale Phase 

Wenn das Kind mit vier oder fünf Jahren eine bleibende Lösung seiner Autonomieprobleme gefunden hat, steht es vor der nächsten Stufe und- vor der nächsten Krise. Das Kind weiß jetzt sicher, daß es ein Ich ist; nun muß es herausfinden, was für eine Art von Person es werden will. Und dabei greift es nach den Sternen: es will so werden wie Vater und Mutter, die ihm so mächtig erscheinen. Es >>identifiziert sich<< mit den Eltern, d.h., es spielt mit der Idee, wie es sein würde, wenn es Vater oder Mutter wäre.

Sprache und Bewegungsfreiheit zusammen erweitern seine Vorstellungswelt, so daß es sich vor einer eigenen, halb geträumten, halb erdachten Bildern ängstigt. Gleichwohl muß es aus dieser Krise mit einem Gefühl ungebrochener Initiative als Grundlage eines hochgespannten und doch realistischen Strebens nach Leistung und Unabhängigkeit hervorgehen (ebd. S. 87 ff).


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