Erik H. Erikson und seine Psychoanalyse

Nach der Psychoanalyse von Erikson durchlebt der Mensch eine Abfolge ganz bestimmter Phasen. Eine Phase wird immer auch durch eine Krise ausgelöst. Durchschaut man diese Phasen, kann es leichter sein, aus der Krise zu gelangen.

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Eriksons Gedanken gehen in den Bereich der relativen psychosozialen Gesundheit. So gibt es wichtige Phasen im Leben zu durchlaufen. Diese sind die ... 

- Phase des Urvertrauens 

- Phase der Autonomie 

- Phase der Initiative 

- Phase des Werksinns

- Phase der Identität 

- Phase der Intimität 

- Phase der Generativität 

undsie Phase der Integrität.


Alle diese Phasen sind auch Schlüsselprobleme. Sie zeigen den Zustand des gesunden Menschen an. Doch gibt es auch konträre Begriffe zu denen. Nämlich wenn eine Phase nicht gesundheitsfördernd verläuft. 

So kann ein Säugling im besten Fall Urvertrauen entwickeln. Aber es kann auch Misstrauen entstehen. Statt Autonomie könn auch Scham und Zweifel wachsen.  

Die Phase der Initiative kann auch durch Schuldgefühle verhindert werden. Wenn kein Werksinn ausgebildet wird, dann kann ein Minderwertigkeitsgefühl entstehen. 

Bei Teenies kann statt einer Identität auch eine Diffusion der Identität entstehen.

Als früher Erwachsener erlernt man die Intimität. Aber es kann auch zur Isolierung kommen. Wenn man sich nicht mit einem Partner bindet. Im Alter eines Erwachsenen sollte eine Generativität entstehen. Es geht dabei, um die Fortpflanzung und damit auch um den Erhalt der Gesellschaft. Aber es kann auch zur Absorption kommen. 

Im Rentenalter ist eine Integrität möglich. Doch kann auch ein Lebensekel entstehen. 

Wie und ob eine Phase gelingt oder auch nicht, soll jetzt weiter aufgezeigt werden. Dafür werden hier ein paar Phasen genauer unter die Lupe genommen.

Urvertrauen in der orale Phase

Das Vertrauen als Erwachsener hat eine Basis, das Urvertrauen. Ist der Nährboden Urvertrauen gut, dann kann sich auch Vertrauen zeigen. Das Urvertrauen erlangt der Mensch durch die mütterliche Sicherheit.  

Bei der Geburt wird das neugeborene Kind von dem Mutterleib getrennt. Das Kind hat dabei schon die Fähigkeit, Nahrung durch den Mund aufzunehmen. Wie die Mutter hat auch das Kind mehr oder weniger koordinierte Fähigkeiten, damit es die Nahrung aufnehmen kann. 

Aber es kommt bei seiner Entwicklung nicht nur auf das Kind an. Auch kommt es darauf an, wie liebevoll die Bereitschaft der Mutter ist, das Kind zu nähren. 

An diesem Punkt lebt es und liebt es mit dem Munde; und die Mutter lebt und liebt es durch die Brust. 

>>Für die Mutter ist dies eine relativ späte und komplizierte Errungenschaft: hochgradig abhängig von ihrer Entwicklung als Frau; von ihrer unbewußten Haltung zum Kinde; von der Art und Weise, wie sie die Schwangerschaft und Geburt erlebt hat; von der Ansicht, die sie und ihre Umwelt vom Stillen haben; und schließlich von der Reaktion des Säuglings. Annäherung an das Leben, und zwar auf dem Weg der Einverleibung. Daher wird die Zeit in der Psychoanalyse gewöhnlich die »orale« Phase genant.<< (Erikson, 1973, S. 63 ff)

In der psychiatrischen Literatur ist häufig vom »oralen Charakter« die Rede. Der Orale Charakter basiert auf einer charakteristischen Abweichung. Es sind die ungelösten Konflikte in dieser Phase. Sie bilden den Charakter. 

In der Oralen Phase kann ein oraler Pessimismus dominieren. Er schließt andere Haltungen aus. Es können infantile Ängste entstehen, wie das, »Leergelassen sein« oder gar »Verlassen zu werden«. Es kann auch in seinem Reizhunger ungestillt bleiben. Das ist dann die depressive Form des »Leerseins« und »zu nichts gut Seins«. 

Die Ängste können der Oralität jene besondere Qualität einer Gier geben. Die nennt man in der Psychoanalyse »oralen Sadismus«. Das heißt, das grausame Bedürfnis, das, was man haben will, auf eine Weise sich zu schaffen und zu nehmen, die anderen wehtut. 

Es gibt jedoch auch einen optimistischen oralen Charakter, der gelernt hat, Geben und nehmen zur wichtigsten Sache im Leben zu machen; und schließlich bleibt die »Oralität« als eine normale Grundschicht, ein dauernder Niederschlag jener ersten Abhängigkeit von mächtigen Versorgern erhalten Sie drückt sich normalerweise in unseren Abhängigkeitswünschen und Sehnsüchten aus, überhaupt in allen zu hoffnungsvollen und zu hoffnungslosen Zuständen. Die Integration der oralen Phase mit allen folgenden Phasen führt beim Erwachsenen zu einer Kombination von Glauben und Realismus (ebd. S.70).


Anale Phase und seine Autonomie

Die Psychoanalyse ist der Ansicht, dass die Autonomie als menschliche Freiheit im Alter von ca. 2 Jahren bis 4 Jahren entsteht. In diesem Alter werden andere Teile als der schon erkundete Mund erschlossen. 

Der Hauptakzent liegt in dieser Phase auf der Reifung des Muskelsystems. Die daraus erwachsene Fähigkeit (und doppelt empfundene Unfähigkeit), eine Anzahl höchst komplizierter Akte, wie »Festhalten« und »Loslassen« zu koordinieren. Ferner auf dem enormen Wert, den das immer noch höchst abhängige Kind auf seinem autonomen zu legen beginnt.     

>>Die Psychoanalyse hat unseren Wortschatz um den Ausdruck »Analität« bereichert, um die besondere Lust- und Willensqualität zu bezeichnen, die den Ausscheidungsorgane in dieser Phase häufig zukommt.  Der ganze Vorgang der Entleerung von Darm und Blase ist natürlich von Anfang an von einem Gefühl des Wohlbefindens begleitet, das im Grund »gut gemacht« meint. Dieses Lob muss zunächst noch recht oft für das Unbehagen und die Spannung entschädigen, die das Kind empfindet, bevor seine Organe gelernt haben, ihr Tagewerk zu entrichten ... Es entwickelt sich die allgemeine Fähigkeit, ja das heftige Bedürfnis, mit Willen fallen zul assen und Wegzuwerfen und das Festhalten und Loslassen abwechselnd zu üben<< (ebd. S. 76).

Aus der Analphase mit ihrem Festhalten und Loslassen entsteht Autonomie. Sie zeigt sich einerseits in dem Kuschelbedürfnis mit den Eltern und anderseits mit der Freiheit der Ablehnung der Eltern. 


Ödipale Phase 

Wenn das Kind mit vier oder fünf Jahren eine bleibende Lösung seiner Autonomieprobleme gefunden hat, steht es vor der nächsten Stufe und vor der nächsten Krise. Das Kind weiß jetzt sicher, dass es ein Ich ist. Nun muss es herausfinden, was für eine Art von Person es werden will. 

Und dabei greift es nach den Sternen: es will so werden wie Vater und Mutter, die ihm so mächtig erscheinen. Es >>identifiziert sich<< mit den Eltern, das heißt, es spielt mit der Idee, wie es sein würde, wenn es Vater oder Mutter wäre.

Sprache und Bewegungsfreiheit zusammen erweitern seine Vorstellungswelt, so daß es sich vor eigenen, halb geträumten, halb erdachten Bildern ängstigt. Gleichwohl muß es aus dieser Krise mit einem Gefühl ungebrochener Initiative als Grundlage eines hochgespannten und doch realistischen Strebens nach Leistung und Unabhängigkeit hervorgehen (ebd. S. 87 ff).


Coach: Andreas Kawallek

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