KANTs Sittengesetz verstehen

Immanuel Kant (1712- 1778) stellte mit dem Sittengesetz, einen Grundsatz auf. Das besitzt heute noch Gültigkeit. Auch heute ist der Begriff des Willens und daraus resultierend der Begriff der Freiheit, noch immer aktuell. 

"Handle so, dass die Maxime deines Willens, jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“ ¹ Das Sittengesetz wird auch Kategorischer Imperativ genannt.

Für KANT ging es bei dem Sittengesetz um vier Ausrichtungen 

- den Willen, 

- die Freiheit, 

- die Individualität 

- und die Personalität.

KANT stellt den Menschen als Person in den Mittelpunkt der Welt. Er sah den Willen nicht als Herr des Menschen. Aber der Wille zeigt sich, nach KANT, in der Freiheit. Es geht unter anderem darum, im Denken unabhängig von der Gesellschaft zu werden.

Denn der Wille folgt der Freiheit. Der Einzelne soll so frei sein, wie nur möglich. Aber die Freiheit hat auch ihre Grenzen. KANT verstand also die Freiheit nicht als uneingeschränkt. Der Einzelne lebt in seiner Individualität. Aber er ist auch der Gemeinschaft unterworfen. Die Anderen stellen die Personalität dar. Weil die anderen da sind, kann sich der Einzelne nicht vollkommen ausbreiten. 

Alle sind in ihrer eigenen Individualität andersartig und in ihrer Personalität als Mensch gleich. Die Personalität geht von der gesamten Anzahl an Menschen aus. Ich bin nicht allein

Der Mensch kann also nicht von der absoluten Freiheit ausgehen. Er würde dann andere einengen. Das heißt, die Individualität steht der Personalität gegenüber. Aber nicht nur das.

Sittengesetz schützt vor Missbrauch?

Auf diesem Weg zur Freiheit missbraucht auch so manch einer einen anderen als Mittel. Nach KANT schützt das Sittengesetz vor dem Missbrauch. Es darf niemand den Anderen nur als Mittel für seine Zwecke einsetzen. Für jeden von uns muss es möglich sein, sich selbst zu bestimmen. 


Keine Einengung durch Religion und Staat

Auch der Staat darf die Freiheit des Menschen nicht einengen. So darf das auch nicht die Religion. Die Individualität sich nicht frei entfalten. Somit muss jeder Mensch eingestehen, dass er nicht allein auf der Welt ist. Jeder von uns ist von vielen Menschen umgeben. Die anderen Menschen sollen aber auch ihre Freiheit ausleben.

So muss jeder Mensch seinen Teil für die Menschheit tun.  Damit kann es nur einen Zusammenhalt geben. Sonst gibt es Mord und Totschlag. Es muss also ein Gesetz des Sollens her. Das muss Regeln für alle treffen. Du sollst dich frei bewegen. Aber du sollst dabei nicht andere einschränken. 


Vernunft als Einsicht

Doch das kann der Wille allein nicht bestimmen. Dazu gehört die Vernunft, als Einsicht, die zusammen mit dem Willen den Rahmen des Handelns bestimmt. Der Verstand muss aus dem Menschen selbst entspringen. Die Einsicht kann nicht beigebracht werden, wie das 1x1. Die Einsicht kann nur errungen werden. Der Mensch muss Unabhängigkeit um sich herum aufbauen, damit die Vernunft frei entscheiden kann. Kants Ziel ist es, den Willen und die Einsicht zu vereinen, dass ein tugendhaftes Denken und Handeln daraus resultiert. Der Mensch ist das Werk seiner selbst.

Jeder Mensch ist dazu fähig, seine eigene Autonomie zu entfalten. Wenn das so ist, dass er seinen Willen mit der Vernunft vereint, dann würde es keine Kriege mehr auf der Welt geben. Ein schönes Ziel für die Zukunft. Doch der Mensch muss, um im tugendhaften zu sein, viel an sich selbst arbeiten. Auch ist der Weg zur Tugend oft sehr steinig. Es ist daher fast ein Ding der Unmöglichkeit, dass alle Menschen die Tugend voll und ganz finden. Erst wenn der überwiegende Teil der Menschheit nach dem Sittengesetz leben würde, könnte die Welt in Frieden leben.

Eine kritische Frage bleibt. Was macht KANT mit den Emotionen? Die hat KANT nicht berücksichtigt. Die Emotionen stehen aber all zu oft dem Verstand im Weg. Die Bauchentscheidungen kommen mit ins Spiel. Sie treten mit einer Inbrunst auf. Starken Emotionen können in den Bereich des Willens und der Vernunft eintreten und Chaos verursachen.

Das Gute an KANTS Entwurf ist jedoch das Ziel. Ob man wirklich zum tugendhaften Leben kommt, das ist sekundär. Denn der Weg ist das Ziel.²

¹ Kant, Immanuel:Kritik der praktischen Vernunft, Reclam-Ausgabe, S.36

² Konfuzius


Weitere Literatur:

Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik, Wolfgang Klafki, 6.Auflage 2007

Geschichte der Pädagogik,  Winfried Böhm, 3.Auflage, 2010

Wörterbuch der Pädagogik, Winfried Böhm



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