Bindungsverhalten vom Kind zum Erwachsenen

Unsere Kindheit prägt uns für das ganze Leben. So ist die Bindung der Mutter zum Kind sehr entscheidend. Zu einem sehr großen Teil fließt das Verhalten auch in die spätere Bindung zum Ehepartner mit ein. Wir sprechen hier vom Bindungsverhalten.



Das Bindungsverhalten in der Kindheit wird vor allem durch die Mutter geprägt. Die Mutter gibt mit der Brust die Nahrung. Dabei wird das Kind umarmt. Damit schenkt die Mutter nicht nur die Nahrung. Es werden so auch Geborgenheit, Sicherheit und Wärme vermittelt. 

Genauso wiegt sie das Kind auch in den Schlaf. Nach neueren Studien schenkt eine liebevolle Mutter ebenso regelmäßig Augenkontakt. Es entsteht somit die wichtigste Bindung für das Kind. Das Verhalten von der Mutter zum Kind wirkt sich auf die spätere Bindung der Partnerschaft aus.

Die Erforschung des Bindungsverhaltens

John BOWLBY ging dem Bindungsverhältnis von Kindern nach. Für ihn ist die Bindung das zentrale Thema des Menschseins. Er fragte sich, welche Verhalten es von Müttern zu ihren Kindern gibt. Weiter fragte er, welche Bindungen daraus entstehen können. Es ergaben sich folgende Bindungsverhältnisse:

- sichere Bindung

- unsicher- ambivalente Bindung (widersprüchliche Bindung)

- unsicher- vermeidende Bindung.


                                              John BOWLBY untersuchte das Bindungsverhalten von Mutter zum Kind


Der sichere Bindungstyp und dessen Auswirkungen

Das Kind baut Vertrauen auf, durch die Fürsorge der Mutter. Es kann eine sichere Bindung aufbauen, weil die Mutter die Signale des Kindes richtig erkennt. Die Mutter hält auch beim Wickeln Augenkontakt. Wird das Kind von der Mutter getrennt, so ist dem sicheren Kind klar, dass die Mutter wieder zu ihm zurückkommt. Es fühlt sich sicher.

Die Erwachsene Bindung

Der sichere Bindungstyp hat als Kind mehr Fantasie. Er kann allein sein, ist aber auch gern in Gesellschaft. Als Erwachsener hat er ein sehr gutes Selbstwertgefühl. Er ist offen für Neues.

Die Aufmerksamkeit kann er länger auf den Partner richten. Er verspürt kaum Eifersucht. Auch Neid ist eher selten. Egoismus ist kaum vertreten. Er zeigt ein gutes soziales Verhalten. 


Der unsicher- vermeidende Typ

Genau das Gegenteil ist das unsichere Kind. Es hat kaum Vertrauen zu Mama oder Papa. Die Mama ist zu selten für das Kind da. Dieses Kind fühlt sich abgelehnt. Es fühlt sich weggestoßen. Es fühlt sich nicht geliebt. 

Das liegt vor allem an der Aktion der Mutter beim Wickeln, so die neuere Wissenschaft. Das Kind will Augenkontakt. Aber die Mutter schaut auf den Fernseher oder macht andere Dinge nebenbei. Häufig zeigt sie dem Kind an, dass selbst das Wickeln jetzt ein schlechter Zeitpunkt ist. Oft ist die Mutter gestresst und beim Wickeln unherzlich. 

Es entsteht ein Gefühl im Kind: Ich tue Mama nicht gut, ich kann ihr keine Freude schenken. Das Kind hat Angst vor Versagen.

Enge Beziehungen hält das Kind damit für bedrohlich. Bei Nähe entsteht ein Unwohlsein. Es kann auch zu Aggression kommen.

 

Grund des Verhaltens

Aus den oben genannten Gründen werden später enge Beziehungen vermieden. Der Grund für die Vermeidung liegt, so BOWLBY, in der frühen Kindheit. Die Mutter zeigt bei dem Kind wenig Feingefühl. Es lehnt das Kind sogar oftmals aktiv ab. Aber sie zeigt selten Liebe und Freude. Das Verhalten der Mutter ist oft negativ. Häufig tut die Mutter auch so, als ob das Kind stört. Daher ist das Kind sehr unsicher. Das Kind vermeidet, der Mama leid zuzufügen. Es ist unsicher und vermeidend.

Die Erwachsene Bindung

Dem unsicher- vermeidenden Typ fällt es schwer, dem Partner zu vertrauen. Er kann Nähe kaum zulassen. Auch ist die Bindung sehr instabil. Die Partnerschaft ist oft ohne Herzenswärme. Häufig ist sie sogar kalt und ablehnend. Eifersucht ist an der Tagesordnung. Viele Erwachsene dieses Typs gehen auch gar keine Bindung ein. Sex ja, Bindung nein, das ist oft das Credo.



Der unsicher-ambivalente Bindungstyp

Es gibt auch Kinder, die eine Bindung aufbauen können. Aber sie können es nicht sehr gut. Ambivalent heißt in dem Sinn: doppeldeutig. Der ambivalente Typ kann schon vertrauen, aber er ist auch sehr unsicher. Er zeigt eine ängstliche und abhängige Bindung zu den Eltern. 

Starke Ängste begleiten das Kind, wenn die Eltern sich weiter weg entfernen und nicht mehr zu sehen sind. Das Kind hat die Gedanken, dass die Mama vielleicht nicht mehr zurück zu ihm kommt. Sagt die Mama tschüss, dann entsteht beim Kind Stress. 

Die Mutter ist beim Kind sehr ambivalent, also mal so und mal so. Manchmal sind sie feinfühlig und einfühlsam. Aber oft sind sie auch abweisend. Daher kann das Kind Vertrauen nur bedingt aufbauen. Das Kind kann nur bedingt einschätzen, wie die Eltern auf das Kind reagieren. 

Das Kind versucht schon früh, die Stimmung der Eltern zu lesen. Es will nichts falsch machen und es will nicht bestraft werden. 

Das ambivalente Kind hat keine Ansprüche an die Eltern. Denn dazu ist es zu viel auf die Eltern konzentriert, statt auf sich selbst. Es traut den Eltern nicht zu, dass sie seine Bedürfnisse befriedigen. Denn die kindlichen Erwartungen werden zu oft enttäuscht. >>Papa verspricht einen Rundflug um Berlin und kommt mit einer Eisenbahn<<


Die Erwachsene Bindung

Die meisten von uns sind dieser Typ. Die Angst den Partner zu verlieren ist immer da, jedoch nicht immer bewusst. Der Unsichere will viel Nähe vom Partner. Er macht sich jedoch Sorgen, dass der Partner ihn nicht richtig liebt. Die Liebe ist für diese Bindung eine Verschmelzung von „Du und Ich“. Die Grenzen des „Du und Ichs" sind nicht immer erkennbar. 

Er kann aber oft selbst keine Nähe aufbauen. Eifersucht ist bei einigen dieses Typs klar erkennbar.

Für den Typ wird auch die Bezeichnung ängstlich-widerstrebende, ambivalente Bindung verwendet.



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¹ Beispiel von Bettina Wegener, Sind so kleine Hände, Lied: Ikarus

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